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JAZZ TE DEUM FÜR SOLI, CHOR UND JAZZ-ORCHESTER Libretto von
Pietro Sassu Das Te Deum ist die Hymne der Heiligen Dreifaltigkeit und ist Teil der Stunden-Liturgie. Gemeinhin wird es als Dankesgesang bei besonders feierlichen Anlässen ausgeführt, und typisch ist seine Aufführung im Rahmen der Rituale zum Ende eines Jahres. Die Entscheidung, eine feierliche Komposition in Auftrag zu geben, die auf ideale Weise das Ende des Jahrhunderts (und des Jahrtausends) sowie den Beginn des neuen Jahrhunderts würdigt, konnte also nur auf die populäre Hymne zurückgreifen. Aber in einer Zeit einfacher und oftmals rhetorischer Feierlichkeiten sollte neben der Freude auch immer das Erinnern präsent sein, denn die Erinnerung an Fehler der Vergangenheit fördert die Hoffnungen, die in die Zukunft gesetzt werden. Auf der Grundlage dieser Hinweise wurde das Libretto erarbeitet, das neben dem traditionellen Text des Te Deum auch Texte einiger "weltlicher" Autoren beinhaltet, Verse jedoch, die von intensiver Spiritualität, starker ethischer Spannung und stolzem Entsagen von der schwierigen Conditio Humana durchdrungen sind. Die bemerkenswerte Präsenz von Dichtern sardischer Muttersprache unterstreicht die große Originalität des Projektes: das Jazz Te Deum entstand auf Sardinien und konnte daher nur von der dortigen Kultur gespeist werden. Diese Kultur ist auch in den ethnischen musikalischen Elementen präsent, die von den Komponisten bei der Erarbeitung der Partitur benutzt wurden. Man sollte wohl eher von Partituren sprechen: tatsächlich konnte die Arbeit der drei verschiedenen Generationen und ziemlich unterschiedlichen Kulturen und Wurzeln entstammenden Komponisten, auch wenn sie auf einem gemeinsamen literarischen Text und auf einigen musikalischen Vorgaben beruht, nur ein eher heterogenes Ergebnis zeitigen. Aber gerade in der Konfrontation der Unterschiede liegt der eigentliche Sinn eines derartigen Werkes: Konfrontation zwischen weltlicher und religiöser Kultur, zwischen Autoren, die zu unterschiedlichen Zeiten ähnliche Themen behandelt haben, zwischen Komponisten, deren Blick und Interpretation von unterschiedlichen Gesichtspunkten ausgehen. In diesem Sinne ist die Sprache des Jazz eine ideale Sprache; es ist eine Musik, die von Natur aus einbeziehend und ekklektisch, in Form und Stil variabel ist und die unterschiedlichste Erfahrungen in sich vereinigen kann: die Polirhytmik Afrikas und die Polifonie Europas, den ethnischen Gesang und die Orchestermusik, die Canzonetta und die gewagtesten musikalischen Abenteuer gehobener Musik. Die experimentelle Natur dieser einzigartigen Arbeit hat äußerst wenige ähnliche Vorgänger. Das Programm wird ergänzt durch eine weitere absolute Erstaufführung: das Sacred Concert, das Giorgio Gaslini anläßlich des Jubiläumsjahres für den Chor S. Cecilia und das Jazz-Orchester Sardiniens geschrieben hat. Es ist eine ideale Ehrung für ähnliche Kompositionen von Duke Ellington und ein persönliches und bewegendes Glaubensbekenntnis einer großen Persönlichkeit des zeitgenössischen Jazz. Gabriele Verdinelli
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