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  Die Tenöre Oniferi

Sardische Polyphonie im Konzert

Am 9 Dezember 2001
veranstaltete Holy Wood
im Saal "Arlecchino in
Cavallano (Casole D’Elsa)

ein Konzert der Tenöre aus San Gavino Oniferi.




Anfangs des Jahres 2003 werdet ihr auf unserer Seite "Produktionen" einige Beispiele ihrer letzten in Holy Wood aufgenommenen Arbeiten hören können.

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Der Tenorgesang ist eines der außergewöhnlichsten Beispiele der Polyphonie des Mittelmeerraumes; dank seiner Komplexität, seinem Reichtum an timbress und seiner Ausdruckskraft ist er eine ganz eigene, sardische Realität, die im Rest der Welt nicht ihresgleichen findet..

 Seine Wurzeln sind sehr, sehr alt, ebenso alt wie seine soziale Funktion des Zusammenführens von Menschen und der Festigung der Bande im Innern einer Gemeinschaft. Die Interpreten dieser Gesangsform meinen, daß der Ursprung in der Imitation der Klänge der Natur liegt. Dies waren und sind die einzigen Töne, die der Schäfer in den langen Monaten der Einsamkeit auf den weit vom Dorf entfernten Weideflächen hören und bis ins letzte, kaum wahrnehmbare Detail analysieren kann. Es scheinen vor allem die Vibrationen und Timbres der Schafherden zu sein, welche den starken und charakteristischen gutturalen Aspekt dieses Gesanges inspirieren. Dies ist ein originelles Element, das dann in eine äußerst raffinierte Mischung aus Überleitungen, rhytmischen Komplexen und bewegender Modulation übergeht.

Der Zusammenhalt innerhalb der Gemeinschaft war und ist von enormer Bedeutung: die ausschließlich mündliche Weitergabe der Ausführungstechnik und der Verse, die benutzt werden, festigte das Band zwischen den Generationen und war eine Gelegenheit für die traditionelle Art, individuelle Erfahrungen und Charaktere weiterzugeben; das Erlernen und das notwendige Üben waren ein lebendiger Moment der Begegnung und des Wettsreites unter den jungen Interpreten sowie zwischen ihnen und dem gelegentlichen Publikum; schließlich verlieh die Ausübung des Gesanges in den fröhlichsten und feierlichsten Momenten im Leben der Gemeinschaft dieser ihren gleichzeitig heiligen und feierlichen Charakter, der ihr fester, untrennbarer Bestandteil ist.

Die Tenöre San Gavino "Oniferi" (die Gebrüder Francesco, Giovanni und Carmelo Pirisi, jeweils boche, contra und mesu boche sowie Raimondo Pidia, bassu) gehören zu den bekanntesten Vertretern des Tenorgesanges: seit zwanzig Jahren sind die Protagonisten, die raffinierte Timbres wählen und einer Kraft, die oftmals nur auf das Volumen des akustischen Eindrucks setzt, die Qualität der Weichheit vorziehen. Ebenso sorgfältig haben sie die Texte für die Stücke ausgewählt: nicht die großen, aber inflationär gewordenen klassischen Dichter wie Murenu und Mereu, sondern die Stimmen der heutigen sardischen Dichtung. Damit beweisen sie, daß diese Form eine Zukunft hat und daß der lyrische oder anklagende Aufschrei der Bürger wunderbar mit dem Tenorgesang vereinbar ist.

Ein Beispiel für ihre verdiente Anerkennung auf internationaler Ebene ist die Tatsache, daß sie die ersten Interpreten sardischer Musik waren, die das Interesse eines Künstlers wie Peter Gabriel auf sich gezogen haben, als dieser sein großes Werk der weltweiten Sammlung ethnischer Musik und ihrer traditonellen Stilarten in Angriff nahm.

Als Zentrum für Kunstforschung, in dem die Dokumentation und das Studium traditioneller Formen und Inhalte ein wesentlicher Bestandteil des Forschungsprojektes sind, hat Holy Wood dieses seinem eigenen Geist entsprechende Konzert veranstaltet. Die Tenöre San Gavino "Oniferi" haben an den Tagen nach dem Kon zert in den Aufnahmestudios von Holy Wood ihr neuestes Album aufgenommen. Ihr Aufenthalt im Zentrum bot Gelegenheit zum Zusammensein, durch das (auch nach Meinung der vier Tenöre) die Arbeit im Studio vergnüglicher und (nach Meinu8ng des Produzenten, Gianluca Dessi) noch ausdrucksstärker wurde. Uns, von Holywood, hat es die Möglichkeit geboten, Kontakt zu einer wirklich einzigartigen und interessanten menschlichen und professionellen Erfahrung zu treten. Einige Stücke aus diesem Album werdet ihr anfangs des Jahres 2003 auf unserer Seite "Produktionen" hören können.

 

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